Zeugen Jehovas

Sich über diese relativ kleine Bevölkerungsgruppe auszulassen, haben schon viele getan. Entweder waren sie selbst schon Mitglieder, sind es noch oder haben Verwandte oder ehemalige Freunde, die sie an die WachtturmGesellschaft verloren haben. Gleich vorab bekenne ich: Auch ich war ein WachtturmMitglied.

Einige weitere Konventionen sollen auch gleich geklärt sein.

  • Auch ich trenne den Begriff Zeuge Jehovas strikt von WachtturmMitglied, da ich der Meinung bin, Jehova (oder anders vokalisiert: Jahwe) Dienst darbringen zu können, ohne dabei zur WachtturmGesellschaft gehören zu müssen.
  • Die WachtturmGesellschaft werde ich fortab WTG nennen, den synonymen Ausdruck WachtturmOrganisation WTO. Mit WTO ist auch keineswegs die Welthandelsorganisation gemeint!
  • Zeitangaben wie vor und nach Christus sind irreführend, da zwischen diesen 33 Jahre liegen. Ein Jahr 1 n.Chr. bedeutet das erste Jahr nach Jesu Tod am Pfahl, also vom Nachmittag des 14. Nisan 33 an bis zum Nachmittag des 13. Nisan 34 zu rechnen. Das ist freilich riesiger Quatsch! Richtig nutzt man: (vor) unserer Zeitrechnung, in Abkürzung: v.u.Z. und u.Z..
  • Prinzipiell betrachtet ist also der Seitentitel „Zeugen Jehovas“ falsch gewählt und müßte richtig „Die WachtturmOrganisation“ lauten. Da allerdings die breite Öffentlichkeit weit mehr mit dem erstgenannten Begriff anfangen kann, beließ ich diese Ungenauigkeit als Zugeständnis für Außenstehende.

Im wesentlichen habe ich etwas an den Methoden der WTG auszusetzen, wie deren Mitglieder beschäftigt gehalten werden, um ja nicht die Grundlagen ihres Glaubens zu hinterfragen. Außerdem bedingt die fehlerhafte eigene Legitimation als Gottes eigener Mitteilungskanal, daß die Mitglieder eben dermaßen beschäftigt werden – da beißt sich der Hund in den Schwanz.


Symptome

Kommen wir zuerst zum ganzen Schwall an Symptomen. Der jährliche Zeitaufwand sieht so aus:

Bibellesen
  • dienstags 1 Stunde Buchstudium, gruppenweise in privater Wohnung oder dem Saal
  • donnerstags 1 Stunde Predigtdienstschule und 1 Stunde Dienstzusammenkunft, im Saal
  • sonntags 1 Stunde öffentlicher Vortrag und 1 Stunde Wachtturmstudium, im Saal
  • einmal jährlich ein Tagessonderkongreß über einen Tag statt Predigtdienstschule und Dienstzusammenkunft, im Saal
  • einmal jährlich ein Kreiskongreß über zwei Tage zusätzlich zum reg. Programm, in einem Stadion o.ä.
  • einmal jährlich ein Bezirkskongreß über drei Tage statt Predigtdienstschule, Dienstzusammenkunft, öffentl. Vortrag und Wachtturmstudium, in einem Stadion o.ä.
  • zweimal jährlich Dienstwoche über sieben Tage zusätzlich zum reg. Programm, mit Treffpunkt im Saal
  • ggf. drei bis achtmal jährlich Schneeräumwoche, am Saal
  • einmal jährlich Sondervortrag, im Saal
  • drei bis zwölfmal jährlich Saalputz
  • einmal jährlich Gedächtnismahl über zwei bis drei Stunden, im Saal
  • einmal täglich allgemeines Bibelleseprogramm, je nach Übung 20 Minuten bis eine Stunde
  • einmal täglich privates Bibelleseprogramm, nochmal soviel
  • so oft es geht privates Bibelstudium, wenigstens eine Stunde
  • ggf. ein bis zweimal wöchentlich Familienstudium, wenigstens eine Stunde
  • zu jeder Zusammenkunft Vorbereitung des zu behandelnden Stoffs, mindestens eine halbe Stunde
  • Vorbereitung zu Redeaufgaben in der Predigtdienstschule, je nach Aufgabe schonmal sechs Stunden
  • so oft es geht öffentlicher Predigtdienst, meist mit Partner, wenigstens zehn Stunden monatlich
  • informelles Zeugnisgeben, beiläufig am Arbeitsplatz, bei Bekannten usw.
  • ggf. Wahrnehmen von „Vorrechten“ wie Hausmeister, Schriftführer, Sekretär, Literaturausgabe, Techniker, Saalordner
  • beständig mit der extrem umfangreichen Literatur auf dem laufenden sein
  • ggf. geselliges Zusammensein nach beliebigen Zusammenkünften
  • ggf. Hilfspionier sein, eine freiwillige Selbstverpflichtung, wenigstens 50 Stunden Predigtdienst im Monat zu schaffen
  • ggf. Pionier sein, eine freiwillige Selbstverpflichtung, wenigstens 70 Stunden Predigtdienst im Monat zu schaffen
  • ggf. Dienstamtgehilfe, Ältester, reisender Aufseher sein

Die wöchentlichen Zusammenkünfte können auch auf andere Wochentage gelegt sein, je nach Koordination der Gruppe oder Versammlung; z.B. freitags statt donnerstags und samstags statt sonntags. Dies kann auch z.B. jährlich wechseln. Das rechne ’mal jemand in einer stillen Stunde durch – und das ist das Programm zum normalen Berufsleben, dem Haushalt und weiterer Unternehmungen! Wer nicht an allen Maßnahmen teilnimmt, setzt sich des Geruchs aus, glaubensschwach zu sein, was die Akzeptanz in der Gruppe leiden läßt. Als ob das nicht schon genug der Kontrolle wäre, ist folgendes verboten oder zumindest anrüchig und verpönt:

  • Einholen von Informationen über das Datennetz, da man allzuleicht auf Netzpräsenzen von „Abtrünnigen“ oder sonstig Andersdenkenden landen kann
  • kritischer Gedankenaustausch
  • Hintergrundfragen über das Glaubensbekenntnis
  • Freundschaft oder nähere Bekanntschaft mit „Ungläubigen“
  • Heirat von „Ungläubigen“ nach der eigenen Taufe
  • Verbesserungsvorschläge oder wünsche an den überkommenen Gepflogenheiten
  • eigenständiges Denken
  • Besitz oder Eigentum an Wachtturmkritischem Material
  • Besitz oder Eigentum an auch nur möglicherweise mit einem Fluch belasteten Dingen
  • Besitz oder Eigentum an Firmenanteilen oder Mitarbeit in Firmen, die sich mit militärischen, anderweitig religiösen oder götzendienerischen Produkten oder Dienstleistungen befassen
  • Tabakrauchen oder schnupfen, Betelnußkauen, übermäßiger Äthanolgenuß und anderweitiger Drogenkonsum

Dies alles wird nach Bekanntwerden durch einen Ältesten sofort zu einer inquisitionär geführten Vernehmung führen! Diese sind:

  • eine informelle Belehrung, von zwei Ältesten durchgeführt
  • ein Rechtskomitee, von drei Ältesten durchgeführt
  • ein Rechtskomitee, von fünf Ältesten (im Falle eines höhergestellten Bethelmitarbeiters) durchgeführt

Bei keinem dieser Komitees hat der Beschuldigte ein Recht auf einen Verteidiger oder eine Abschrift des Gespräches. Es werden ihm keine Glaubensfragen beantwortet, die eventuelle Unklarheiten oder Mißverständnisse ausräumen könnten. Desweiteren wird dafür gesorgt, daß der Beschuldigte sozial isoliert und gedemütigt wird und – sofern er nicht tätige Reue nach den Maßstäben der Ältesten an den Tag legt und sich damit über alle Maßen erniedrigt – aus der Versammlung ausgeschlossen. Da die Konsequenzen einem jeden WachtturmMitglied bekannt sind, ist es sehr einfach, diese gefügig zu halten. Dieses Gefühl der Angst, etwas Falsches zu sagen, hemmt sehr effektiv den freien Meinungsaustausch.

Selbst, wer auch nur die Vorstufe zum Ausschluß erreicht, „Bezeichnetsein“, verliert alle seine Vorrechte und darf sich noch nicht einmal mehr zu Kommentaren melden – die Vorbereitung zum regulären Programm wird freilich weiterhin erwartet und dient dem Gefügigmachen des Betroffenen. Ausgeschlossene werden weder auf der Straße noch in den Zusammenkünften gegrüßt! Dies wird selbstverständlich wieder mit entsprechenden Bibeltexten gestützt, die freilich aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Es ist einfach eine Frage des Anstandes, zu grüßen. Heutzutage dauert das nicht mehr als zehn Sekunden, nicht bis zu einer halben Stunde wie im 1. Jahrhundert des nahen Ostens, womit man mit einem reuelosen Sünder längeren Umgang pflegen würde.

Kein WachtturmMitglied würde von sich behaupten, gehirngewaschen zu sein, ja, es vehement abstreiten und im Brustton der Überzeugung eine Unmenge an Argumenten anführen, frei und Herr seiner Gedanken zu sein. Zu dumm nur, daß einem die Erkenntnis der eigenen Hirnwäsche völlig abgeht, sobald man gehirngewaschen ist.

Aus eigener Erfahrung muß ich die vielen Erfahrungsberichte bestätigen, wonach in den Versammlungen lebhaftes Getratsche stattfindet. Das ist ja auch kein Wunder: Obwohl die einzelnen Mitglieder zeitlich extrem ausgelastet sind, besteht Bedarf, aus dem täglichen Trott mit der üblichen Sensationsgier etwas mehr zu machen. Je übler die Gerüchte, Unterstellungen, ja Anschuldigungen gegen Einzelne sind, umso eher wird ihnen geglaubt. Verteidigt sich der Einzelne noch und versucht Argumente für seine Unschuld beizubringen, wird er liebend gerne dabei bis zur Resignation unterbrochen. Das Urteil ist gefällt. Mir kommt dieses Gehabe vor wie von einer Rotte pubertierender Gören. Es ist einfach abscheulich!

Zusammenfassend erkennt man: Dieses System eines elitären WirGefühls mit Abgrenzung von der beschmutzten Welt, die Gott durch ihre Taten verleugnet bedingt sich selbst. Wer anfängt, das eigene Hirn zu gebrauchen und noch nicht völlig von der andauernden Berieselung vernebelt ist, gerät alsbald in Konflikt mit den WachtturmRegeln und wird zur Zielscheibe übelster Nachrede und sogar Rufmordes!

Diese Bestandsaufnahme stammt im wesentlichen aus meiner aktiven Zeit, also bis 2006. Da allerdings auch die WachtturmOrganisation zu den eher konservativen Religionsgesellschaften gehört, die Änderungen kaum aufgeschlossen sind, werden die heute aktuellen Konventionen auch nur sehr wenig von den geschilderten abweichen.


Ursachen

Neuhebräische Tontafeln

Selbstverständlich haben alle diese aufgezwungenen Umstände einen guten Grund. Sehen wir uns die WachtturmGesellschaft doch einmal näher an. Gegründet in den 1870er Jahren vom damaligen Präsidenten Charles Taze Russel, wuchs die Gruppe schnell und zog Gläubige anderer Konfessionen ab, so von den Adventisten, den Pfingstlern, Methodisten, Mennoniten, Mormonen, Katholiken, Protestanten, aber auch vieler nichtchristlicher Religionen wie Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus, Schintoismus, Animismus usw.. Konvertiten aus dem Islam gibt es nur sehr wenige, da der Islam lehrt, alle anderen Religionen und deren Angehörige seien minderwertig und zu unterwerfen, aufdaß Frieden herrsche.

Die eigene Zeitschrift, Der Wachtturm, wird zur Verbreitung der eigenen Lehren genutzt (Inhalt siehe z.B. dieser WikipediaArtikel). Im Lauf der Zeit entstanden immer neue Versammlungsstätten, Königreichssääle genannt; das Werk breitete sich über die Grenzen der VSA aus, sodaß die gesamte Welt nun von einem Netz an (inzwischen um 100.000) Säälen umspannt ist. In fast jedem Land gibt es ein Bethel, also eine nationale Zweigstelle. Das kommt von hebr. beth → dt. Haus und hebr. elohim (kurz oder poetisch: el) → dt. (wahrer) Gott, also Haus Gottes.

In die Gemeinschaft vollständig aufgenommen wird man erst durch die Erwachsenentaufe, zu der man auch erst dann zugelassen wird, wenn man bereits die Früchte des Geistes vollbringt, also z.B. regelmäßigen Predigtdienst durchführt.

Finanziert wird das Werk nach Angaben der WTO durch freiwillige Spenden und den Verkauf von Literatur. Auch, wenn dieser Verkauf (zumindest in Deutschland) seit 1990 aufgehoben ist, ändert das wenig an den Finanzen. Da allerdings das Vermögen (Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Aktien) der WTO inklusive aller ihr angeschlossenen Gesellschaften weltweit einen 3stelligen Milliardenbetrag ausmachen wird – vielleicht sogar in den Billionenbereich ragt – und sich der Umsatz jährlich bei über einer Mrd. VS$ bewegt, fragt man sich doch, woher das Geld dafür gekommen sein soll. Spenden? Erbmasse? Glückliche Hand? Es muß also noch weitere (erhebliche!) Einnahmequellen geben. Ja, ich gehe inzwischen so weit zu vermuten, die WTO sei eine große Geldwaschmaschine der organisierten Kriminalität (Achtung: ich vermute, nicht behaupte!). Bereits kurze Recherchen im Datennetz fördern Fakten zutage, die einen blaß werden lassen. Diese sind detailliert auf den ganz unten angegebenen Präsenzen nachzulesen.

  • Die WachtturmGesellschaft betreibt mit 20 ihrer NROs in den VN genau die politische Einmischung in die verkommene Welt, die sie ihren Mitgliedern als unchristliche Tat verbietet.
  • Die WachtturmGesellschaft hält massenhaft Aktienanteile an der Rand Energy Group, Ltd., über die Rand Cam Engine Corp., einem Rüstungsunternehmen, außerdem diversen Tabakkonzernen usw.. Siehe diesen Artikel auf Sektenausstieg.
  • Die WachtturmGesellschaft tut sich mit anderen Religionsgemeinschaften zusammen, um gemeinsam gegen staatliche Bemühungen vorzugehen, die die Religionen in ihrer Entfaltung einschränken sollen. Dies aber wird den eigenen Leuten verboten.
  • Das Glaubensgebäude der WachtturmGesellschaft ist eine einzige Luftnummer, denn der Dreh und Angelpunkt, der Zeitpunkt der Exilierung der Israeliten durch Nebukadnezar II. in seinem 19. Regierungsjahr, ist fälschlich auf 607 v.u.Z. datiert. Daß daraus keine Legitimation mehr als Gottes Mitteilungskanal abgeleitet werden kann, liegt den in dieses Thema bereits Eingearbeiteten auf der Hand.

Zu den ersten drei Punkten haben schon so viele (Ex)WachtturmMitglieder Stellung bezogen, daß ich das wohl nicht auch noch tun muß. Man sehe sich dazu Netzpräsenzen wie Sektenausstieg oder Gimpelfang an. Das Thema der Frage um das richtige Datum der Exilierung der Israeliten ist zugegebenermaßen komplex, weswegen da kaum jemand so tief in die Sache eingestiegen ist. Nun hat Yahoo außerdem die Platzangebote für u.a. www.geocities.com/wtcleanup schon 2009 aufgegeben, wodurch eine Menge an wertvollen Informationen verlorenging.

Um die WTG in ihrer eigenen Lehre zu fangen und sie zu widerlegen, muß man also eigentlich „nur“ in die Chroniken der Hebräer und Babylonier einsteigen und nützlicherweise auch die der Ägypter. Diese Materie erfordert zugegebenermaßen viel Konzentration. Allerdings lohnt es sich allemal, sich hierin einzuarbeiten. Haben Sie keine Angst – ich führe Sie schön langsam an der Hand!


Widerlegung

Die WTG nutzt einen Zahlenwust, ein schieres Durcheinander an Zeitpunkten und Zeitspannen, um sich von einem scheinbar bedeutenden Ereignis zum nächsten zu hangeln. Die Zeitpunkte können Regierungsantritte von antiken Königen sein oder auch in neuerer Zeit Kongresse wie der in Cedar Point in Ohio/VSA 1922 oder die Verhaftung von zunächst sieben der acht leitenden Angestellten der WachtturmOrganisation 1918. Um diese Zeitpunkte miteinander zu verbinden, braucht es prophetische Zeitspannen, von denen die Bibel allerdings ein reiches Angebot bereithält – bereit, um nach Herzenslust umgedeutet und mit Zahlenspielereien zu allerlei Interpretationen umgeformt zu werden. Dieses Spiel läuft so lange, bis sich die WTG zur eigenen Legitimation als Gottes Mitteilungskanal identifiziert hat.

Der Grundstein für all diese Zahlenspielereien ist das genaue Datum der Exilierung der Israeliten durch Nebukadnezar II., wie man den Geschichtsbericht in 2Ch 36:17ff, Jer 27ff (ab Kapitel 39 akut) und weiteren Stellen nachlesen kann. Die WTG setzt diesen Zeitpunkt mit dem 7. Ab 607 v.u.Z. an. Diesen Zeitpunkt hat der WachtturmGründer Charles Taze Russel zusammen mit seinem Freund Barbour (einem Adventisten) ausgeknobelt. Sie rechneten von 1914 zurück. Dabei unterlief ihnen zunächst ein schwerwiegender Fehler, da sie das Jahr Null (das nicht existiert) mitzählten und zu 606 v.u.Z. kamen.

Dieser Zeitpunkt 4./5.10.1914 entstand durch eine vorausgegangene Berechnung, deren Erklärung aber hier zu weit führen würde. Zumindest soll zu diesem Zeitpunkt Jesus Christus im Himmel zu regieren begonnen haben und demzufolge Off 12:712 erfüllt worden sein, wonach Satans Zugang zum Regierungssitz Gottes im Himmel durch Jesus versperrt wurde und die Erde nun große Verfolgung durchlebt, da Satan nur noch hier wüten kann. Diese Erklärung stützt dann auch die WTGArgumentation zur Auslösung des ersten Weltkrieges. Dumm nur, daß der über zwei Monate früher begann.

Nun verband die WTG die sieben Zeiten aus Da 4:16 (Teil der Erzählung eines Traums Nebukadnezars II.)

Sein Herz veränderte sich von dem eines Menschen, und es wurde ihm das Herz eines Tieres gegeben, und sieben Zeiten sollen über ihm vergehen.

Da 4:16 Xiphos, NeueWeltÜbersetzung (1986)

mit einer Anweisung Jahwes an Hesekiel in Hes 4:6b

… Und du sollst dich im zweiten Fall auf deine rechte Seite legen, und du sollst die Vergehung des Hauses Juda vierzig Tage tragen. Einen Tag für ein Jahr, einen Tag für ein Jahr, das habe ich dir gegeben.

Hes 4:6b Xiphos, NeueWeltÜbersetzung (1986)

und kamen so zu 7 Zeiten × 360 prophetischen Tagen pro Jahr × ein Jahr pro Tag = 2520 Jahre. Addiert man diese zu 607 v.u.Z., kommen wir auf das Jahr 1914. Ausgehend von diesem Datum werden weitere biblische Zeitspannen wie

  • 42 Monate (Off 11:2, 13:5),
  • 1260 Tage (Off 11:3, 6),
  • 1290 Tage (Da 12:11),
  • 1335 Tage (Da 12:12),
  • 3½ Tage (Off 11:9),
  • 2300 Tage (Da 8:14)

usw. genutzt, um zu anderen Zeitpunkten zu kommen. Diese Zeitpunkte sind – bereits erwähnt – etwa der Kongreß in Cedar Point oder auch die Verhaftung der Vorstände der WTO.

Dies kann man auch alles im Verkündigerbuch nachlesen, sofern man es sich verschaffen kann. Durch langatmige, salbungsvolle Rhetorik verliert der an Chronologie interessierte Leser aber sehr schnell den Faden und bemerkt wahrscheinlich nicht, daß die Zeitspannen eben nie genau 1260 oder 1290 oder 1335 Tage andauern. Sie weichen sogar erheblich ab! Was dann zu diesen Zeitpunkten geschah, wird folkloristisch zum besonderen Segen Jehovas umgedeutet und die eigene ach so gesegnete Organisation zu der irdischen Vertretung Gottes erklärt.

Welche Religionsgemeinschaft erklärt sich selbst wohl gern zum „übelgelaunten Sklaven“, von dem in Mat 24:48ff geschrieben steht? Nein, jede wird sich als die alleingültige Vertretung Gottes bezeichnen, als „treuer und verständiger Sklave“ (Mat 24:4547), als von Gott besonders bevorzugt und mit allem Wissen ausgestattet, um beim großen Gericht alle Vorteile gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften zu haben. Allein schon dieser Alleinstellungsanspruch der WTO stößt vielen Menschen sauer auf.

Man kann es sich schwermachen und jede der angeblich an der WTG erfüllten Prophezeiungen zerpflücken und widerlegen (bei dreien tue ich das später noch), aber man kann auch einfach den Grundstein aus dem Glaubensgebäude ziehen. Damit stürzt es zusammen und wir brauchen uns über die 1260 Tage usw. keine Gedanken mehr zu machen.

Wer über keine ausreichenden Fähigkeiten zur tiefgehenden Recherche verfügt oder schlichtweg keinen InternetAnschluß hat, sieht in der aufgestellten Chronologie der WTG durchaus einen roten Faden. Da einem von der WTG unter dem Vorwand der Recherche nur eigene Literatur angeboten wird und die weltliche Wissenschaft per se als suspekt diffamiert wird, zieht sich die Gesellschaft eine ihr blind vertrauende und treue Anhängerschaft heran. Dabei merken die meisten der Mitglieder gar nicht mehr, daß 607 v.u.Z. schlicht falsch ist.

Die Chroniken zwischen moderner Wissenschaft und der WachtturmOrganisation differieren vor Nabonid um 20 Jahre, um 607 v.u.Z. zu halten. Um zumindest nicht die gegenseitigen Bezugnahmen zwischen den Reichen zu zerstören (das hätten WachtturmMitglieder beim täglichen Bibellesen sofort bemerkt), fügte die WTG einen imaginären Herrscher in Babylon ein, der 20 Jahre regiert haben soll. Wie die astronomischen Fakten nun zu den falschen Regierungszeiten von z.B. Nebukadnezar II. passen sollen, schweigt sich die wachtturmeigene Literatur natürlich aus und auch über den unbekannten Herrscher weiß man nichts. Seltsam! Entweder war er ein Geheimniskrämer vor dem Herrn und noch viel paranoider als die WTG heute – oder es hat ihn einfach nicht gegeben.

Den Zeitpunkt der Exilierung Israels kann man nun auf verschiedene Weise bestimmen. Beispielsweise könnte man sich allein an die Bibel halten und die Regierungszeiten aller erwähnten Könige bestimmen. Dies ist ein langwieriger Prozeß, der auch noch mit Stolperfallen verbunden ist. WTGJünger werden eine allein damit versuchte Argumentation mit zurechtgelegten (aber gegenstandslosen) Gegenargumenten scheinbar entkräften. Entmutigt wird man aufgeben, da Wachtturmanhänger bestens rhetorisch geschult sind.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Anwendung moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse. Hier bietet sich besonders die Archäologie (Keilschrifttafelfunde) im Zusammenspiel mit Astronomie (Planetenkonstellationen) an. Leider wird jedes wissenschaftliche Argument, sofern es den WTGDogmen widerspricht, angezweifelt, die Wissenschaft selbst und die Wissenschaftler eher für unseriös gehalten und „lieber auf die Bibel vertraut“. Packt man diese Scheinapostel aber mit der Geschichtsschreibung aus der Bibel, lenken sie das Gespräch auf eigene Literatur wie das Unterredungsbuch, die Einsichtenbände oder eben Zeitschriften. Eine wirkliche Beantwortung von Fragen ist gar nicht beabsichtigt; es soll am besten nur ein Rückbesuch, eine Zeitschriftenabgabe und vielleicht ein beginnendes Bibelstudium aufgeschrieben werden können.

Übrigens wird vielen meiner Leser beim Begriff „Planetenkonstellation“ sofort die Astrologie einfallen – eine extrem unseriöse Pseudowissenschaft. Diese wurde in der Tat damals wie heute betrieben, erfüllte in der Antike allerdings noch den Zweck der astronomischen Geschichtsschreibung. Dieser bediene ich mich hier, was kaum anstößig sein kann. Astrologie ist mir zuwider und Sie werden bestimmt auch keine HorosSkope von mir erhalten!

Eine weitere große Hilfe bieten gegenseitige Querverweise. Wenn also z.B. in einem Dokument, dem man vertraut, zwei Könige miteinander verknotet werden, sind sie Zeitgenossen. Hat der eine den anderen getötet und den Krieg gewonnen, haben wir eine bessere zeitliche Einordnung.

Für unsere Zwecke ist es die beste Lösung, alle Wege zu kennen und sogar kombiniert einzusetzen. Als netter Nebeneffekt wird logisches Denken geübt und man lernt vielleicht auch noch bisher unbekannte Kalendersysteme kennen. Schließlich gewinnt man biblisches Wissen und auch Übung darin, die Stellen aufzuschlagen. Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie am ersten Tag, die Bibel wirklich zu nutzen, sogar 23 Minuten für eine Bibelstelle benötigen sollten und wild hin und herblättern; nach 20 aufgeschlagenen Stellen brauchen Sie unter 30 Sekunden und in in einigen Wochen der Übung finden Sie auch ausgefallenere Stellen wie Ob 21 oder Phm 12 in Sekunden. Das stupide Auswendiglernen (wie z.B. die Reihenfolge der Bibelbücher in der 3. Klasse) ist kontraproduktiv. Lernen Sie konzeptuell!

So, und jetzt geht es ans Eingemachte, nämlich die Grundlagen für die Widerlegung der WTGDogmen zu schaffen.

Keilschrifttafeln

Keilschriftsymbol, wie es auf Tafeln vorkommt.

Abb. 1: Ein einfaches Keilschriftsymbol.

Seit der Sintflut wurde Keilschrift verwendet, um Nachrichten, Erlasse und Chronologie festzuhalten und noch vor 2000 Jahren (bis etwa zum Jahr 100) wurde auf Tontafeln geschrieben. Verbreitung fand sie u.a. in Babylon, Assyrien, Urartu (Osttürkei bis Armenien) und tlw. bis Ägypten. Als Schrift wurden meist keilförmige Ideogramme verwendet, die mit einem zugeschliffenen Holzgriffel in den noch feuchten Ton gedrückt wurden. Dann wurde die Tafel langsam gebrannt und die Aufzeichnung war unveränderlich. Manchmal nutzte man statt der Tafeln andere Formen wie tonnenförmige Gebilde – der Einfachkeit halber Zylinder genannt. Ein solcher ist z.B. der KyrosZylinder, der auch unter der Bezeichnung BM90920 bekannt ist, aber auch die NabonidChronik ist ein solcher Tonzylinder. Ersterer enthält unter anderem einen Text über die Einnahme Babylons durch Kyros II..

Königsliste auf Keilschrifttafel.

Abb. 2: Königsliste auf einer Keilschrifttafel.

Naturgemäß sind solche Aufzeichnungen sehr dauerhaft. Bei sachgemäßer Lagerung können sie problemlos Jahrtausende überdauern. Das kann man von CDs ja nicht gerade behaupten. Leider ist die Anfertigung einer solchen Tafel aufwendig. Wurde der Ton nicht gebrannt, wie das bei vielen alltäglichen Tontafeln (Quittungen, Kaufbelege, Marktpreise) der Fall war, verwitterten sie u.U. sehr schnell. Gebrannte Tafeln findet man also vorzugsweise an Königshöfen.

Der Beruf des Schreibers war ein sehr angesehener. Ein Schreiber hatte ein etwa vergleichbares Ansehen wie die Aristokratie. Da er außerdem Zugang zu allerlei Aufzeichnungen, Berichten und Chroniken hatte, versetzte ihn dieses Wissen bald in die Lage, größere Macht zu erlangen als Prinzen, Generäle, Berater oder gar der Herrscher selber – eben die typische Position für eine strippenziehende „graue Eminenz“.

Kyros-Zylinder, BM 90920

Abb. 3: KyrosZylinder (BM90920).

Es sollte uns nicht verwundern, daß die Keilschrift nicht nur regionale, sondern auch zeitliche Eigenheiten und Veränderungen aufweis. Immerhin war sie für etliche Kulturen und über Jahrtausende hinweg die einzig dauerhafte Schriftform. Somit gibt es für einzelne Wörter zwei oder sogar noch mehr unterschiedliche Keilschriftzeichen. Sie helfen uns aber, die Keilschrifttafel sowohl zeitlich, als auch rgional besser einzuordnen. Dies kann sich in einzelnen, eher seltenen Fällen auch ins Gegenteil verkehren; dann nämlich, wenn Tontafeln kopiert, aber die zum Zeitpunkt der Abschrift aktuellen Zeichen eingesetzt wurden. Die Forschung auf diesem Gebiet ist noch lange nicht abgeschlossen, bleibt aber interessant.

Im Britischen Museum (daher übrigens die Anfangsbuchstaben des KyrosZylinders) sind sehr viele Exponate ausgestellt und noch viel mehr liegen in den Archiven im Keller. Die Katalogisierung, Aufnahme der Texte in digitale Systeme und Übersetzung in moderne Sprachen dauert seit vielen Jahrzehnten an. Es wird selbst unter Berücksichtigung fortschreitender Technologien noch schätzungsweise 100 oder 200 Jahre dauern, um diese Aufgabe zu bewältigen.

Was uns dann an Erkenntnissen über die biblische Zeit zur Verfügung stehen wird, kann man sich heute wohl kaum ausmalen. Man darf gespannt sein! So gesehen, handelt es sich bei diesem Werk um ein verdienstvolles. Die Ausbildung jedoch ist langwierig, mit vielen Stolperfallen versehen – und finanziert werden muß der ganze Spaß ja auch noch. Wer hat denn heute noch die Wertschätzung für derart aufwendige wissenschaftliche Arbeit und kann es sich überhaupt noch leisten, ein Museum zu besuchen?

Astronomische Fixierung

Hier geht es um die Identifikation eines aufgezeichneten Zeitpunktes anhand von Mond und Planetenkonstellationen. Gerade die Babylonier – in geringerem Umfang aber auch schon die Ägypter oder Assyrer – hielten solche Daten akribisch fest, meist auf Keilschrifttafeln.

Die damals bekannten Planeten waren (außer der Erde) Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Der Uranus und der Neptun wurden auch erst 1781 und 1846 entdeckt. Als Referenz diente stets der Fixsternhintergrund, eingeteilt in Sternbilder, wobei (in Babylon) die 12 äquatorialen den Zodiakalkreis ausmachen.

Selbstverständlich ist eine einzige aufgezeichnete Angabe wie die Position des Jupiters im Zodiakalkreis nicht genug, da sich dieser Planet alle 11,86 Erdjahre wieder an derselben Stelle befindet. Somit ließe sich der Zeitpunkt der Beobachtung nur in einem 11,86JahreRaster bestimmen (die Parallaxenverschiebung durch Erdwanderung zur Vereinfachung der Beschreibung außer Acht gelassen). Nimmt man aber die Position des Saturns noch dazu, der eine Umlaufzeit von 29,46 Erdjahren hat, ist das Intervall bereits 349,36 Erdjahre. Das reicht bereits aus, um den Beobachtungstag dieser Planetenkonstellation exakt zu datieren.

Sehr oft findet man weitere Angaben, etwa zur Position anderer Planeten, Mondfinsternissen und Marsbahnschleifen, womit das Intervall leicht auf einige zehntausend Jahre anwachsen kann. Darüberhinaus existiert in antiken Aufzeichnungen fast immer auch noch eine Datumsangabe in einem der Mondkalendersysteme ohne absolute Jahresangabe, also z.B. „1. des Monats, der mit dem 30. des Vormonats Kislimu identisch ist“.

Aufgrund der heutigen Möglichkeiten, mit leicht zu bedienenden und kostenlosen Astronomieprogrammen Aufzeichnungen von Keilschrifttafeln zu datieren, sollte jeder Leser hier prinzipiell selbst in der Lage sein, solche Arbeiten durchzuführen. Man sollte natürlich wissen, wo das Sternbild der Fische liegt und auch Bezeichnungen von Sternbildern aus antiker Zeit kennen. Auch grundlegende Bezeichnungen von Sternen sollten verstanden sein, also daß z.B. βUMi, 7 UMi, Kochab und HIP 72607 ein und denselben Stern in der „Schöpfkelle“ bezeichnen. Sehen Sie sich also auch die Seite Betrachtung – Keilschrifttafel an.

Der besondere Vorteil von astronomischen Daten ist also, daß die Datierung universell ist und auch in 10.000 Jahren noch erneut vorgenommen werden kann, wenn nur die Angaben zur Planetenkonstellation solange überdauern.

Königsfolge

Lesen wir in 2Ch 34:1 einen Bericht über die Regierungszeit Josias (der rund 24 Jahre vor der Exilierung starb):

Acht Jahre alt war Josia, als er zu regieren begann, und er regierte einunddreißig Jahre lang in Jerusalem.

2Ch 34:1 Xiphos, NeueWeltÜbersetzung (1986)

So und so ähnlich lauten viele Geschichtsberichte. Man kann mit ihnen eine Königsliste (teilweise sogar mit Regierungsdauer) aufstellen. Das trifft auf alle antiken Reiche zu.

Damit haben wir aber trotzdem ein Problem bei der Bestimmung der Regierungszeiten. Die Zeitspanne läßt sich augenscheinlich ja noch relativ einfach über zeitgenössische Berichte auf Tontafeln, Papyri oder aus der heutigen Bibel (wie in diesem Beispiel) bestimmen. Leider wird diese Aufgabe dadurch erschwert, daß nicht immer ganz klar ist, wie eine Formulierung über einen abgesetzten König zu verstehen ist oder ob das israelitische oder babylonische System der Zählung von Regierungszeiten zur Anwendung kam.

Dann bleibt noch die Frage der genauen Daten, denn im Vers oben stehen nur ganze Jahre. Kein Herrscher starb je exakt am 1. Nisan oder übernahm das Königsamt an diesem Tag. Die Zeit des Antrittsjahrs wird also nicht explizit beschrieben. Das ist die Zeit vom Regierungsantritt bis zum nächsten 1. Nisan. Erst danach folgt das erste Regierungsjahr.

Die Königsfolge ist also für sich genommen bereits eine zuverlässige Methode, wenn man genügend zuverlässige historische Beschreibungen der einzubeziehenden Könige zur Verfügung hat. Dies ist aber derzeit gar nicht der Fall und eine mit dieser Methode erstellte Herrscherreihe ist vielleicht nur 50 oder 150 Jahre lang, bis sie abbricht. Also kommt sie nicht ohne die Zuhilfenahme weiterer Methoden aus. Gerade die WachtturmOrganisation verschlimmert die Informationslage massiv, da in deren Literatur sowohl massenhaft Informationen verschwiegen, als auch Informationen verfälscht publiziert werden. Da diese Netzseite Lesern in der Argumentation gegen die WTG helfen soll, ist gerade gegen diese verwerfliche Taktik der WTG anzugehen.

Gegenseitige Bezugnahmen

Gegenseitige Bezugnahmen von Königreichen sind sehr wichtig. Lesen wir ein sehr gutes Beispiel hierfür in Jer 46:2:

Für Ägypten, hinsichtlich der Streitmacht Nechos, des Königs von Ägypten, der sich am Strom Euphrat bei Karkemisch befand, den Nebukadrezar, der König von Babylon, im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs von Juda, besiegte.

Jer 46:2 Xiphos, NeueWeltÜbersetzung (1986)

Wie man sieht, ist dieser eine Vers eine wahre Goldgrube an Information! Drei Könige werden zueinander in Relation gesetzt, eine Ortsangabe und der Ausgang eines Krieges genannt. Hier liest man „Nebukadrezar“ statt Nebukadnezar, was im Buch Jeremia öfter vorkommt und offenbar ein Abschreibfehler ist. Dabei sehen sich die hebr. Buchstaben Resch und Nun nicht besonders ähnlich.

Gerade diese Methode für die Rekonstruktion genauer Datumsangaben ist nicht zu unterschätzen! Oftmals ist die Faktenlage ohne diese Methode anzuwenden, so dünn, daß man eine Königsfolge nur als hypothetisch ansehen kann. Mit ihr aber verwandelt sich dieselbe Faktenlage in einen unerschütterlichen Beweis. Sie hilft uns, all die relativen zu absoluten Zeitangaben umzurechnen. Ein Beispiel:

Natürlich hat uns Jojakim nicht hinterlassen, daß er am 26. September 601 v.u.Z. harten Stuhlgang hatte. Weder konnte er wissen, daß

  • die Menschen 2600 Jahre nach ihm nach julianischem oder gregorianischem Kalendersystem rechnen,
  • diese Kalendersysteme solare statt lunare sind,
  • der Bezug dieser Kalendersysteme auf einen angenommenen (und falschen!) Geburtszeitpunkt Jesu Christi gesetzt wurde und
  • wer Jesus Christus, Gaius Julius Caesar oder Papst Gregor XIII. waren.

Um nun die Regierungszeit Jojakims hinreichend genau zu bestimmen, brauchen wir einen festen Anker. Leider ist die israelitische Geschichtsschreibung keineswegs so rührig gewesen und so wissen wir von ihr darüber nichts Brauchbares. Überhaupt scheint mir nach Wochen intensiver Arbeit an Archäoastronomie und Sichtung von Chroniken, die Israeliten glaubten, so sehr von der Sonne geküßt zu sein, um sich nicht mit niederen Arbeiten wie Chronologie abgeben zu müssen. Was wir benötigen, kann die Beschreibung einer Planetenkonstellation sein oder (wie hier bevorzugt) eine Sonnenfinsternis. Die nächstgelegene Sonnenfinsternis wurde von der ägyptischen Geschichtsschreibung festgehalten, die genau einen Mondmonat nach Inthronisierung von Necho II. stattfand, also am 12. Schemu I 610 v.u.Z..

Geht man nun den direkten Weg von Necho II. (und seiner Chroniken) auf Jojakim zu, so weiß man nur, daß Jojakim im ersten Regierungsjahr Nechos II. eingesetzt wurde, was 609 v.u.Z. geschah. Geht man dagegen den Umweg über den babylonischen König Nabupolassar und die vorhergehenden israelitischen Könige Josia und Jehoahas, kann man Jojakims Inthronisierung auf Ululu oder spätestens Tašritu 609 v.u.Z. festlegen. Josia wurde von Necho II. getötet (2Ch 35:24), in Jerusalem durch Jehoahas ersetzt und dieser nach nur 3monatiger Regierungszeit von Necho II. bei seinem Rückzug von Harran abgesetzt (2Ch 36:3). Wahrscheinlich war ihm der neue Judenkönig nicht devot genug.

Da die Kämpfe bis Ululu 609 v.u.Z. stattfanden, Necho II. erst dann zurückkehrte und 1015 Tage Gewaltmarsch (rund 800km mit Kriegsgerät über Sandpisten) bis Palästina brauchte, kommen wir auf Ululu oder Tišritu. Am 14. Ululu übrigens gab es eine totale Mondfinsternis, die überall zu sehen war. War diese das Zeichen für das Ende des Assyrerreiches? Necho II. jedenfalls setzte kurzerhand Jehoahas’ Bruder Eljakim zum König ein und gab ihm den Namen Jojakim (2Ch 36:4). Jehoahas übrigens wurde schließlich nach Ägypten deportiert.

Alle diese gegenseitigen Bezugnahmen und die hier angeführten Ereignisse kann man auf einen Zeitstrahl eintragen, wie ich das bereits getan habe. Nachzusehen ist diese Darstellung auf der Unterseite Betrachtung – Königsfolge.

Dadurch nun, daß es zumindest im alten Babylon zu jedem einzelnen Jahr detaillierte Chroniken über zeitgenössische Ereignisse, astronomische Konstellationen, Wetterphänomene, Gerichtsurteile und Marktpreise gibt und sich dies für Ägypten und Assyrien nicht viel anders verhält, baut sich ein Netz von tausenden gegenseitiger Bezugnahmen von Reichen und astronomischen Zeitangaben auf. In dieses Netz läßt sich übrigens auch kein imaginärer Herrscher nach WachtturmManier einschieben, da sonst sämtliche gegenseitigen zeitlichen Bezugnahmen vor und/oder nach dem eingefügten Herrscher zerreißen würden.

Die Sicht der WachtturmGesellschaft

Die WachtturmOrganisation geht bei der Beweislegung ihrer Legitimation erwiesenermaßen nicht den direkten Weg von geschichtlicher Aufzeichnung (egal, ob aus der Bibel oder den Keilschrifttafeln entnommen). Sie muß den indirekten Weg gehen – von einem angenommenen Zieldatum (1914) aus 2520 Jahre zurückrechnend, um zu einem plausibel aussehenden Startzeitpunkt zu kommen. Erst hier beginnt für das wenig bedarfte WTOMitglied die Rechnung. Es wird der Eindruck erweckt, es handle sich dabei um eine selbstverständliche und plausible Vorgehensweise.

Die astronomischen Tatsachen, die die Keilschrifttafeln wiedergeben, können von der WTO nicht widerlegt werden. Dies zeigt sich besonders drastisch bei derjenigen Tafel, die den ultimativen Genickbruch für die Legitimation der WTO darstellt: VAT 4956. Also konstruiert sie überall Probleme bei der Vertrauenswürdigkeit der Tafeln – angefangen beim Schreiber, über den Kopisten, die verwendete Schriftsprache bis hin sogar (wie wir später noch sehen werden) zu den Übersetzern der Tafel VAT 4956, Neugebauer und Weidner.

Um sich nun einen Einblick in die kranke Denkweise zu verschaffen, mit welch lächerlicher und durchschaubarer Taktik die Vertrauenswürdigkeit von VAT 4956 kaputtgeredet wird, möge allein schon ein ErwachetArtikel aus dem Jahr 1972 reichen:

„Dein Wort ist Wahrheit“

Wann wurde Jerusalem von Babylon verwüstet?

1 WELTLICHE Geschichtsschreiber geben gewöhnlich das Jahr 586 v. u. Z. als richtigen Zeitpunkt für die Verwüstung Jerusalems an. Warum sagen denn Jehovas christliche Zeugen, dieses Ereignis habe im Jahre 607 v. u. Z. stattgefunden? Weil sie dem vertrauen, was in der Bibel über die Dauer der Verödung Jerusalems steht.

2 In der Heiligen Schrift wird für die Verödung Judas und Jerusalems ein Zeitraum von siebzig Jahren angegeben. Nach der Beschreibung der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier wird in 2. Chronika 36:21 berichtet: „Alle Tage, da es verödet dalag, hielt es Sabbat, um siebzig Jahre zu erfüllen.“ Durch seinen Propheten Jeremia hatte Jehova erklärt: „Dieses ganze Land soll ein verwüsteter Ort werden, ein Gegenstand des Entsetzens, und diese Nationen werden dem König von Babylon siebzig Jahre dienen müssen.“ — Jer. 25:11.

3 War dies wirklich ein Zeitraum von siebzig buchstäblichen Jahren? Ja, denn so betrachtete ihn der Prophet Daniel gegen Ende der Verödung Jerusalems, als er sagte: „Ich selbst, Daniel, [merkte] durch die Bücher auf die Zahl der Jahre, über die das Wort Jehovas an Jeremia, den Propheten, ergangen war, um die Verwüstungen Jerusalems zu erfüllen, nämlich siebzig Jahre.“ (Dan. 9:2) Man beachte, daß Daniel hier die „Zahl der Jahre“ der Verwüstung mit siebzig angibt. Das hätte er bestimmt nicht tun können, wenn die siebzig Jahre symbolisch oder wenn sie eine aufgerundete Zahl gewesen wären.

4 Weitere Beweise liefert das Buch Sacharja. Wir lesen: „Wenn ihr fastetet und es ein Wehklagen gab im fünften Monat und im siebenten Monat, und dies siebzig Jahre lang, habt ihr wirklich mir gefastet, ja mir?“ (Sach. 7:5; 1:12) Die Ausdrucksweise dieser Frage mit dem Hinweis auf bestimmte Monate zeigt gewiß, daß es sich um einen Zeitraum von siebzig buchstäblichen Jahren handelte.

5 Daß die Juden in alter Zeit die siebzig Jahre als einen buchstäblichen Zeitraum auffaßten, in dem das Land völlig verwüstet war, geht aus den Werken des Josephus, eines jüdischen Geschichtsschreibers, hervor. In seinen Jüdischen Altertümern, Buch X, Kap. 9, Abschn. 7 berichtet er, daß „ganz Judaea mit Jerusalem und dem Tempel siebzig Jahre lang verödet blieb“.

6 Als die Israeliten wieder nach Juda und Jerusalem zurückkehren konnten, endete jene Verödung. Man ist sich allgemein darüber einig, daß Babylon am 5./6. Oktober 539 v. u. Z. von Cyrus erobert wurde. Aus dem biblischen Bericht in 2. Chronika 36:2123 und Esra 3:13, in dem von Cyrus’ Befreiungserlaß für die Juden und ihrer Rückkehr in ihre Heimat die Rede ist, geht hervor, daß die Juden etwa Anfang Oktober des Jahres 537 v. u. Z. wieder in ihrer Heimat ankamen, womit die siebzigjährige Verödung endete. Jerusalem muß daher siebzig Jahre vorher, 607 v. u. Z., zerstört worden sein.

7 Verschiedene Versuche, das Jahr 586 v.u. Z. mit dem, was in der Bibel steht, in Übereinstimmung zu bringen, sind daher unbefriedigend. Keiner dieser Versuche stimmt mit dem Zeugnis der Bibel überein, daß Jerusalem und Juda siebzig Jahre lang verödet dalagen.

8 Das Jahr 586 v. u. Z. stützt sich in erster Linie auf den sogenannten „Ptolemäischen Kanon“, in dem insgesamt 87 Jahre für die babylonische Dynastie angegeben werden, die mit Nabopolassar begann und mit Nabonid zur Zeit des Sturzes Babylons im Jahre 539 v. u. Z. endete. Gemäß diesem Kanon waren die fünf Könige, die während jener Zeit herrschten, Nabopolassar (21 Jahre), Nebukadnezar (43 Jahre), EwilMerodach (2 Jahre), Neriglissar (4 Jahre) und Nabonid (17 Jahre). In Übereinstimmung mit der Zahl der Jahre, die auf diese Weise für jeden Herrscher angegeben werden, würde die Verödung Jerusalems im achtzehnten Jahre Nebukadnezars (im neunzehnten Jahre, wenn man von seinem „Thronbesteigungsjahr“ an rechnen würde) ins Jahr 586 v. u. Z. fallen. — 2. Kö. 25:8; Jer. 52:29.

9 Aber wie zuverlässig ist der Ptolemäische Kanon? In seinem Buch The Mysterious Numbers of the Hebrew Kings (Die rätselhaften Zahlen der hebräischen Könige) schreibt Professor E. R. Thiele:

10 „Der Ptolemäische Kanon wurde in erster Linie für astronomische, nicht für historische Zwecke angefertigt. Er erhob nicht den Anspruch, eine vollständige Liste aller Herrscher Babylons oder Persiens oder den genauen Monat oder Tag des Beginns ihrer Herrschaft zu enthalten, sondern er war erdacht worden, um gewisse astronomische Angaben, die damals zur Verfügung standen, einem umfassenden chronologischen System richtig zuordnen zu können. Könige, deren Regierungszeit weniger als ein Jahr betrug und den Neujahrstag nicht einschloß, wurden nicht erwähnt“ (Kursivschrift von uns).

11 Somit macht schon der Zweck des Kanons eine absolute Zeitbestimmung mit seiner Hilfe unmöglich. Es besteht keine Möglichkeit, sicher zu sein, daß Ptolemäus richtig vorging, als er für verschiedene Könige eine bestimmte Anzahl Jahre angab. Während Ptolemäus zum Beispiel für die Herrschaft EwilMerodachs nur zwei Jahre angibt, teilt ihm der Polyhistor zwölf Jahre zu. Auch kann man nicht sicher sein, daß während jener Zeit nur fünf Könige herrschten. In Borsippa hat man zum Beispiel die Namen einer Reihe babylonischer Könige gefunden, die anderswo nicht erscheinen.

12 Trotzdem mag jemand fragen: „Gibt es nicht eine alte astronomische Tafel, ‚VAT 4956’, auf der für das siebenunddreißigste Jahr der Regierung Nebukadnezars genau dasselbe Jahr angegeben wird wie im Ptolemäischen Kanon?“

13 Man sollte nicht übersehen, daß die Quelle eines bestätigenden Beweises die Merkmale der Zuverlässigkeit aufweisen sollte. Kann man dies von der Tafel „VAT 4956“ sagen? Eigentlich nicht. Der Text ist kein Original, und er weist viele Lücken auf. Gewisse Ausdrücke, die darin zu finden sind, kann man heute gar nicht einmal verstehen. Zweimal erscheint in dem Text der Vermerk hibi (was „unterbrochen, ausgelöscht“ bedeutet). Damit gab der Abschreiber zu, daß er nach einer unvollständigen Vorlage arbeitete.

14 Selbst wenn die astronomischen Angaben trotz dieser Probleme das Original richtig wiedergeben, wäre dadurch nicht die Richtigkeit der geschichtlichen Angaben erwiesen. Da Ptolemäus die Regierungszeit ehemaliger Könige (wie er sie annahm) lediglich als Rahmen gebrauchte, um darin astronomische Angaben unterzubringen, kann auch der Abschreiber des Textes „VAT 4956“ in Übereinstimmung mit der zu seiner Zeit anerkannten Chronologie das „siebenunddreißigste Jahr Nebukadnezars“ eingefügt haben. Wie die deutschen Gelehrten Neugebauer und Weidner (die Übersetzer dieses Textes) zugeben, veränderte der Abschreiber offensichtlich gewisse Worte, damit sie mit der zu seiner Zeit üblichen abgekürzten Ausdrucksweise übereinstimmten. Aber er war sowohl inkonsequent als auch ungenau. Somit könnte er ebensoleicht andere Angaben eingefügt haben, die seinem Zweck entsprochen hätten. Sowohl der Ptolemäische Kanon als auch der Text „VAT 4956“ könnten daher sogar dieselbe Quelle als Grundlage gehabt haben. Sie könnten beide dieselben Fehler enthalten.

15 Im Gegensatz zum Ptolemäischen Kanon und zu dem Text „VAT 4956“ steht das einstimmige Zeugnis Jeremias, Sacharjas, Daniels und des Schreibers des zweiten Buches der Chronika, daß nämlich Juda und Jerusalem siebzig Jahre lang verödet dalagen. Tausende alter Manuskripte dieser Schriften enthalten genau dasselbe Zeugnis: Aufgrund der Probleme, die dem Ptolemäischen Kanon und dem Text „VAT 4956“ eigen sind, erfordert es also mehr Glauben, sie anzunehmen, als das Zeugnis der Bibel anzunehmen, wonach für die Verwüstung Jerusalems durch die Babylonier das Jahr 607 v. u. Z. anzusetzen wäre.


[Fußnoten]

Weitere Einzelheiten sind dem Buch Aid to Bible Understanding, S. 327, 331, 339, 348 zu entnehmen.

Erwachet! 8.8.1972, S. 2729, Absatznummern durch mich hinzugefügt.

Zerpflücken wir ein paar Absätze. Was in der Bibel steht, stimmt mit den archäoastronomischen Aufzeichnungen auf Keilschrifttafeln überein. Wer eine Diskrepanz konstruiert, ist die WTO. Meint sie im ersten Absatz sich oder ihre verbildeten und leichtgläubigen Mitglieder? 2Ch 36:21 im zweiten Absatz bleibt weiterhin bestehen, doch gelten die 70 Jahre von 587 bis 517 v.u.Z.. Jer 25:11 wird durch die Wissenschaft auch nicht in Zweifel gezogen, da hier von Nationen (Plural!) die Rede ist. Außerdem muß ein Volk nicht notwendigerweise exiliert sein, um einem König zu dienen.

Im dritten bis fünften Absatz wird wieder davon abgelenkt, daß die 70 Jahre nicht für die Verwüstung der Bausubstanz gelten, sondern für die theokratische. Die endete etwa 517 v.u.Z. mit Fertigstellung des zweiten Tempels. Im sechsten Absatz wird jedem klar denkenden Leser ersichtlich, wie die WTO rechnet – mit 537 v.u.Z. als Ende der Verödung. Da war der Tempel aber nicht einmal zu bauen begonnen worden! Wenn also die theokratische Verwüstung allein durch die Heimkehr von Exilierten enden könnte, bräuchte es auch keine wohlgefällige Denk und Handlungsweise mehr. Kann man sein Vertrauen auf einen Gott setzen, der seinem Volk egal ist? Damit wird der siebte Absatz wohlweislich zu einer Lüge!

Neunter und zehnter Absatz. Wie lange hat die WTO in Bibliotheken gegraben, um zu einem solchen Zitat von einem Prof. Thiele zu gelangen? Daß die Königsliste erdacht wurde, ist eine groteske These. Warum darf man dann nicht die Bibel in Frage stellen, wenn es um geschichtliche Bezugnahmen geht? Auch sie wurde nicht als Geschichtsbuch verfaßt. Bislang hat sich zwar noch fast jede Aussage der Bibel bewahrheitet und ich zweifle sie nicht generell an, aber gleiches Recht muß für alle gelten! Hält die WTO neuerdings die Deutungshoheit, welche Quelle glaubwürdig ist?

Edwin R. Thiele war ein deutschstämmiger STA, Theologieprofessor und Missionar, der seine Doktorandenarbeit von 1943 dann 1951 unter dem Titel The Mysterious Numbers of the Hebrew Kings publizierte. Er war außerdem als Wissenschaftler von 587 v.u.Z. überzeugt, nicht 607 v.u.Z., wie sein Werk selbst ausführlich beweist. Warum greift die WTO zu einem Zitat eines Wissenschaftlers, der der WTOLehre widerspricht? Etwa nur wegen eines einzigen Zitats, das gut in die kranke Argumentation der WTO paßt?

Die Absätze 11 bis 13 und 15 dienen wieder dem Schneegestöber. Wenn der Kommentar von Neugebauer und Weidner, unverständliche Wörter in VAT 4956 betreffend, von der WTO so umgedeutet werden, daß wir der Tafel überhaupt nicht vertrauen dürften, so dürfen wir auch nicht dem KyrosZylinder und auch nicht der NabonidChronik vertrauen. Dumm nur, daß die WTO ihre Spezialchronik gerade auf die Aussagen der NabonidChronik stützt. Wer hat sich jetzt lächerlichgemacht?

Den Vogel schießt die WTO aber mit dem 14. Absatz ab. Astronomische Beobachtungen lassen sich heute auf Minuten genau rekonstruieren. Ich beweise das übrigens mit der Betrachtung – Keilschrifttafel und der dortigen Analyse. Positionsangaben von Himmelskörpern für astronomische Beobachtungen ließen sich vor Kepler nicht derart genau im voraus bestimmen und für die Vermutung eines wissentlich falsch eingesetzten Herrscherjahres gibt es keinen Hinweis. Welchen Vorteil hätte der Schreiber auch gehabt? In der 22. Zeile auf der Rückseite von VAT 4956 wird das 38. Jahr als Folgejahr erwähnt, in der 23. wieder das 37. Jahr als das der Geschichtsschreibung auf dieser Tafel. Sollte sich der Schreiber dreimal hintereinander getäuscht haben?

Nun wissen wir auch, warum die WTO Jer 29:10 verfälscht übersetzt hat:

„Denn dies ist, was Jehova gesagt hat: ‚In Übereinstimmung mit der Erfüllung von siebzig Jahren in Babylon werde ich euch meine Aufmerksamkeit zuwenden, und ich will euch gegenüber mein gutes Wort bestätigen, indem ich euch an diesen Ort zurückbringe.’

Jer 29:10 Xiphos, NeueWeltÜbersetzung (1986)

Im Original (hier im AleppoCodex) steht:

כי כה אמר יהוה כי לפי מלאת לבבל שבעים שגה אפקד אתכם והקמתי עליכם את דברי הטוב להשיב אתכם אל המקום הזה

Jer 29:10 Xiphos, AleppoCodex

Das siebte Wort hierin heißt leBabel, also „für Babylon“. Die hebräische Präposition le kann mit „für“, „zu“ oder „nach“ übersetzt werden. Korrekt ist der Satz nur bei Verwendung von „für“. Die WTO übersetzt hier (ebenso wie die lateinische Vulgata) falsch mit „in“. Dabei erklärt sie im Anhang 3b der eigenen Studienbibel (S. 1635) die Bedeutung mehrerer Präpositionen und erwähnt das „in“ nur für be, nicht aber für le. Endlich ertappt beim Lügen? Sie legt 537 v.u.Z. als Ende der Verödung fest und fuchtelt wild mit wüsten Anschuldigungen gegen die seriöse Wissenschaft herum. Kann man solche falschen Propheten ernstnehmen?

Schlußfolgerung

Da nun eindeutig bewiesen ist, daß der Zeitpunkt der Exilierung der 10. Ab, also etwa Juli/August 587 v.u.Z. ist, die WTG aber ihren Nacken versteift und beharrlich behauptet, es sei im Jahr 607 v.u.Z. gewesen, macht sie sich selbst zu einem falschen Propheten!

Die WTG muß an ihrem einmal festgelegten Datum festhalten, da es sonst nicht mehr 2520 Jahre bis 1914 wären. 1914 ist ein ebenfalls sehr wichtiges Datum, an dem sich alle weiterfolgenden Daten festmachen. Da 607 v.u.Z. nun widerlegt ist, fällt auch 1914 (angeblich der 4./5.10., der sich obendrein nicht mit dem 10. Ab deckt) als Antrittsjahr Jesu im Himmel. Damit sind automatisch auch diese Assoziationen der WTG ad absurdum geführt:

  • Die 3½ Zeiten aus Da 7:25 und die 42 Monate oder 1260 Tage aus Off 11:23 bilden laut DanielBuch S. 142144, Abs. 2831, die Zeit des 4./5.10.1914 bis zur Verhaftung der zunächst sieben von acht hochrangigen WachtturmMitgliedern am 21.6.1918. Dies wird durch das Verkündigerbuch auf S. 719 bekräftigt. Somit sind dies 3 Zeiten und (je nach Zählweise) 259261 Tage! Es sollten aber laut Prophezeiung nur 3 Zeiten und 180 Tage sein. Wohin sind die rund 2½ Monate über 3½ Jahre verschwunden? Ich empfehle, den Mathematikunterricht der ersten Klasse zu wiederholen.
  • Die 1290 Tage aus Da 12:11, also 3 Jahre und 7 Monate, sollten laut DanielBuch S. 301 und Verkündigerbuch S. 720 von Anfang 1919 bis zum 5.13.9.1922 (Kongreß in Cedar Point) dauern. Daraus läßt sich der Beginn der Zeitspanne ermitteln: 5.13.2.1919. Da aber passierte nichts Außergewöhnliches! Der Bibeltext sagt hier auch ausdrücklich: Und von der Zeit an, da das beständige [Opfer] entfernt worden ist und das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht, aufgestellt worden ist, werden es eintausendzweihundertneunzig Tage sein. Die WTG assoziiert mit dem zweiten Term der logischen Bedingung das Aufrichten des Völkerbunds. Dieser aber begann mit seiner Tätigkeit erst fast ein Jahr später, am 10.1.1920! Was soll man von diesen Zahlenspielereien halten?
  • Die 1335 Tage aus Da 12:12 endeten laut DanielBuch, S. 301 und 303, Abs. 24 im Mai 1926. Da Jahwe seine Zeit einhält, müßte man zum 5.13.9.1922 + 3 Jahre 8½ Monate = 20.28.5.1926 etwas Besonderes erwarten können. Die sonst so darauf erpichte WTG, glückseligmachende Daten zu veröffentlichen, hat laut Verkündigerbuch S. 720 zu diesem Datum keinen Eintrag aufzuweisen. Was also haben die 1335 Tage mit 19221926 zu tun?

Wie wir sehen, bastelt sich die WTG die ihr genehmen Zeitspannen zusammen und deutet (Achtung: Auslegung der Bibel!) die biblischen Prophezeiungen in ihrem Sinn entsprechend um. Hier habe ich nur drei dieser Konstrukte zerpflückt – ich bin mir sicher, daß man dies ebenso für etliche weitere tun kann. Sind diese Assoziationen nun nicht gegeben, ist die WachtturmGesellschaft nicht der treue und verständige Sklave aus Mat 24:45, wie die WTG es den eigenen Leuten gebetsmühlenhaft vorsagt, sondern eher der übelgesinnte aus Mat 24:4851.

Schlägt die WTG ihre Mitsklaven etwa nicht, da sie die Ihrigen züchtigt, wenn sie geistige Reife und Freiheit beweisen? Wie steht es mit dem Essen und Trinken mit Gewohnheitstrinkern, wie die WTG selbst die VN und die Geistlichkeit bezeichnet? Die WTG kennt fürwahr den Tag und die Stunde nicht, zu der ihr Herr kommt, denn die vielen aufgestellten Endzeittermine wie 1925 und 1975 haben sich bis jetzt noch alle als warme Luft erwiesen. So wird der WTG Teil bei den Heuchlern sein, denn ein solcher ist sie.

Kaiser Franz Ferdinand

Abb. 4: Kaiser Franz Ferdinand

Kleines Gedankenexperiment: Angenommen, der 10. Ab 607 v.u.Z. stimmte als Beginn der 2520 Jahre oder man käme aus beliebigem Grund auf eine Zeitspanne von 2500 Jahren ab dem 10. Ab 587 v.u.Z., so käme man zum 10. Ab 1914. Trifft dieses Datum – auf unseren gregorianischen Kalender umgerechnet – wenigstens ein wichtiges Datum wie der Mord an Franz Ferdinand am 28.6.1914 in Sarajewo? Jahwe hält seine Zeit ein (Jos 23:14). Somit dürfen wir ein genaues Datum (vielleicht ±2 Tage) mit einem weltbewegenden Ereignis verknüpfen. Da laut meinem Astronomieprogramm der 30.3.1914 (der 89. Tag des Jahres) in Jeruschajalim auf dem Gelände des ehemaligen Tempels (31°46′41″ N, 35°14′08″ O) der 1. Nisan war, folgt aus dem 10. Ab der 6.8.1914 (+129 Tage). An diesem Tag aber passierte nichts Besonderes auf der Welt. Wollte man eine der um dieses Datum liegenden Kriegserklärungen des 1. Weltkriegs akzeptieren, müßte es die erste davon sein, ÖsterreichUngarn gegen Serbien am 28.7.1914. Dies aber bedeutete eine Abweichung von neun Tagen zum vorausberechneten Zeitpunkt. Seit wann ist Jahwe unpünktlich? Daraus darf man wohl schließen, daß das Konstrukt von 2520 Jahren durch die WTG ein Hirngespinst ist.

So versteht man die dogmatische Handlungsweise, an alten, unbelegbaren, ja sogar widerlegten Daten festzuhalten. Diese Fülle an Informationen und Erfahrungsberichten kann man sich fast nur über das weltweite Datennetz besorgen, was den Grund dafür darstellt, daß die WTG gerade in den hochindustrialisierten Ländern erhebliche Mitgliederverluste zu beklagen hat. Getreu dem Motto Wer nichts weiß, muß alles glauben! haben die Brüder in strukturschwachen Ländern kaum eine andere Möglichkeit, als die Lügenmärchen der WTG zu schlucken. Ich bin wahrlich kein Freund der Globalisierung, hier aber wirft sie einen kleinen Nutzen ab.


Zusammenfassung

  • Die WachtturmGesellschaft weigert sich aus Selbsterhaltungstrieb, unumstößliche Tatsachen anzuerkennen. Sie verbreitet Lügen, womit sie sich zu einem falschen Propheten macht.
  • Sie fördert eine Atmosphäre der Angst vor freiem Meinungsaustausch, um die Ihrigen bei der Stange zu halten.
  • Sie fordert ein schier unmenschliches Arbeitspensum von ihren Mitgliedern, um diese niemals dazu kommen zu lassen, einmal über sich und ihr Verhältnis zur WTG nachzudenken.
  • Die WTG geht Differenzen zwischen Brüdern nicht nach, außer zum Zweck, Einzelne als mahnendes Beispiel und zur Einschüchterung der anderen zu opfern.
  • Obwohl es die Sache der Ältesten ist, in regelmäßigen Abständen (z.B. ein halbes oder ein Jahr) in einem persönlichen Gespräch mit dem Ausgeschlossenen, Gegangenen oder gar nur Untätigen nachzuprüfen, ob er sich nicht doch wieder reaktivieren lasse, hatte ich lange Zeit seit 2006 keinen Besuch und keine Nachricht in irgendeiner Weise dieser Leute. Ähnliches hörte ich von Untätigen und Ausgeschlossenen, sowie deren Angehörigen. Erst ab 2011 etwa und mit viel Phantasie kann man einen oder vielleicht zwei der Besuche von WachtturmAngehörigen als Hirtenbesuch interpretieren, auch wenn sich niemand als Ältester identifizierte und auch kein Gespräch explizit als Reaktivierungsversuch ausgewiesen wurde.
  • Offensichtlich werde ich trotz klarer Tatsachen und meiner Aufklärungsarbeit darüber, kein Ausgeschlossener zu sein, noch immer als ein solcher betrachtet und damit auch befeindet.
  • Die Anhängerschaft in Paraguay scheint sich nicht einig darin zu sein, wie mit „Abtrünnigen“ umzugehen ist, denn von einem kleinen Teil der Anhängerschaft werde ich zumindest gegrüßt und es kommt zu oberflächlichem Blabla. Zu mehr habe ich ohnehin keine Lust und es ist auch völlig ausreichend. Alle anderen ergötzen sich in religiösem Fanatismus. Leicht beeinflußbare Mitläufer kommen hier zwischen die Mühlsteine und werden aufgerieben. Ist das nun eine (wenngleich menschlich verabscheuungswürdige) Methode, die Reihen der WTG zu lichten? Sie sollten selbst wissen, wo sie stehen, denn einen Hund auf die Jagd zu tragen, hat bekanntlich keinen Taug.

Literatur zu diesem Thema:

  • Zeittafel zu etlichen Bibelbüchern. Leider nicht mehr erreichbar. Der Autor hat ohnehin seine Vorliebe für den alexandrinischen Texttyp klargestellt.
  • Detaillierte Erklärung zum Inhalt der Keilschrifttafel VAT 4956.
  • Die Zeiten der Nationen näher betrachtet von Carl Olof Jonsson im BruderdienstMissionsverlag, ISBN 978–3–00–023952–6
  • The Exact Sciences In Antiquity von Prof. Otto Neugebauer, S. 97ff, ISBN 0–486–22332–9.
  • Keilschrifttafel VAT 4956, leider sehr schlecht zu lesende Tafeln und Zeittabellen, Transliteration, Übersetzung ins Englische. Außerdem ist die Keilschrifttafel VAT 4956 hier besser zu sehen.
  • Keilschrifttafel BM 32312
  • Auswege oder Wege ins Aus? von Werner und Monika Deppe, ISBN 3–89397–290–0.
  • Der Gewissenskonflikt von Raymond Franz, ClaudiusVerlag, ISBN 3–532–62074–X.
  • Anordnung zur Bücherverbrennung durch die WTG (leider nicht mehr verfügbar).
  • Auf der Suche nach christlicher Freiheit ebenfalls von Raymond Franz, BruderdienstMissionsverlag, ISBN 978–3–00–015952–7
  • Mein eigener offener Brief zum WTGAustritt, etwas gekürzt, ca. 114kB.

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  1. Edwin Greussing schreibt am 27.10.2012 um 03:51 Uhr:
    Hallo Wolfgang, Sie sind ja viele Jahre bei den ZJ. dabei gewesen.Was sagen sie ueber das Jahr 1914. Glauben sie immer noch an das Jahr und wo steht in der Bibel geschrieben das der Engel Michael Jesus war. Bitte dich um Antwort. egreussing@hotmail.com. oder Skype edwin.greussing Servus, Edwin! Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Beitrag ernstgemeint ist. Sieben Fehler in vier Sätzen und die Wahl der falschen Seite (Sonstiges) machen mich stutzig. Habe den Kommentar ’mal nach ZJ zurückgebogen. Zu Deinen Fragen muß ich doch hoffentlich nicht antworten? Bitte erkläre Dich zunächst selbst: Welche Motivation hattest Du, zu schreiben? Was glaubst Du? Sympatisierst Du mit der Wachtturm‐Organisation? Für Asu, Lambaré, Luque, Caacupé, Villarrica und Independencia kann ich Dir Adressen von Wachtturm‐Anhängern geben. Wachtturm‐kritische Antworten auf Deine Fragen wirst Du dort aber nicht erhalten. Auf meiner Präsenz findest Du Querverweise.

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