Zukunftsmusik

Mit einer massiven Bildungsoffensive durch Lugo oder einen anderen Präsidenten könnte man Paraguays Bevölkerung innerhalb von etwa 20 Jahren ins 21. Jahrhundert katapultieren. Den Lehrplan dazu könnte jeder beliebige europäische Pädagoge aufstellen. Vor 150 Jahren hat Präsident Carlos Antonio López seinen Sohn und späteren Nachfolger Francisco Solano López nach Europa entsandt, um Technologien und Experten nach Paraguay zu bringen.

Eine der ersten Eisenbahnen Südamerikas z.B. fuhr in Paraguay ab 1861 von San Franzisco bis Trinidad (beide in Asunción) und ab dem 1.10.1863 wurde die Stammstrecke Asunción  Areguá eingeweiht (und ist leider nur noch ein besseres Museumsstück). Das Land blühte auf, bis etwa ein Jahr später der TripelAllianzKrieg begann (18651870) und Paraguay zugrunderichtete. Mißwirtschaft und Kriegsstimmung aber kann man vermeiden. Wann entschließt sich die heutige Regierung dazu, erneut Fachwissen und Entwicklungshilfe ins Land zu holen?

Ein naheliegender Schritt ist hier, die weitverbreitete Korruption abzuschaffen. Eine Regierung, die wirklich willens ist, wird dies durchziehen. Man könnte ja mit einem Bürgeramt oder einer Beschwerdestelle beginnen, bei der sich jeder Bürger des Landes über irreguläre Machenschaften von Beamten und staatlichen Organisationen kostenlos beschweren kann. Wichtig dabei ist, daß diese Beschwerden bis zum Abschluß der Ermittlungen durchgezogen werden und für die schwarzen Schafe empfindliche Strafen folgen. Ebenso ist wichtig, diese Stelle nicht mit vielleicht nur zwei Leutchen zu bemannen, die hoffnungslos überlastet wären (und damit nur als Alibi dienten), sondern eine schlagkräftige Truppe von (je nach Effizienz) 50150 gut ausgebildeten und miteinander vernetzten Leuten.

Paraguay braucht keine Kaputtschlosser, sondern gute Automechaniker. Professionelle Ausbilder für verschiedene Handwerksberufe wie Elektriker, Wasserinstallateur, Metzger, Schreiner, Bäcker, Konditor, sogar Friseur usw. braucht das Land ebenso wie die Fachleute selbst. Der Dienstleistungssektor mit niedrigqualifizierten Leuten ist gut genug abgedeckt, da die Paraguayer ihn selber besetzt halten. Höherqualifizierte Fachleute (z.B. aus der Medizin) dagegen sind unter Zuwanderern sehr gern gesehen. Wo bleiben die Berufsschulen? Erst, wenn ein gewisser Erwartungsdruck besteht, machen sich die Schüler ans Lernen. Das ist ein allmählicher Vorgang, denn mit dem Niveau der bestehenden allgemeinbildenden Schulen kommt man wohl kaum auf einen grünen Zweig. Es braucht seine Zeit, bis auch diese ihr Niveau angehoben haben. Das wird noch langsam genug gehen, da braucht es nicht noch mehr Bremser!

Die ökonomischen Grundlagen für die Gesundung des Landes müssen ebenfalls angepackt werden! Was ist mit der andernorts bereits erwähnten Aufforstung, die massiv gesteigert werden könnte und mit dem Anbau von Nutzhanf? Die hierfür eventuell vorgebrachte Sorge, die Bevölkerung könnte durch vereinfachte Zugänglichkeit zu THCreichen Hanfsorten verrohen und damit die Anstrengungen des Staates zunichtemachen, zieht einfach nicht! Leichte Erhältlichkeit zu großen Mengen von Hanffaser jedoch leisten Paraguays wirtschaftlicher Unabhängigkeit durch eigene Textilproduktion und folgendem Export deutlichen Vorschub!

Im Zuge dieses Technologieimports könnte man endlich großflächig Glasfaserkabel statt des üblichen Kupfers verlegen. Bei den großen Entfernungen in diesem Land würde sich dies sogar rentieren – allein schon des immer weiter steigenden horrenden Kupferpreises wegen! Als „Nebeneffekt“ fiele die um Dimensionen stabilere und schnellere Anbindung ans Datennetz ab. Telefon könnte per landesweitem VoIP laufen. Ich weiß von keinem Land, in dem bereits vorausschauend Leerrohre für z.B. die künftigen Telekommunikationsleitungen in den Straßen verbaut würden. Überall wird stattdessen wegen jeder einzelnen Glasfaser die komplette Straße aufgerissen.

Paraguay könnte somit mit intelligenter Stadtplanung beginnen. Dabei sind dann in einem Aufwasch auch gleich überdimensionierte Wasser und Abwasserrohre und die komplette Gas und Stromversorgung zu verbuddeln. Auch könnte man die Straßen etwas breiter machen und für Neubaugebiete entsprechende sinnvolle Vorschriften erlassen. Wird dann die Straßendecke geschlossen, so sorgt man für eine extrem widerstandsfähige hellgestrichene Asphaltschicht mit Drainage nach europäischem Standard und stabile Bürgersteige. Fahrzeuge ohne funktionierende Stoßdämpfer müßte man logischerweise stillegen. Abgasnormen (vielleicht etwas weniger streng als in Europa) und Lärmschutz wären einzuführen.

Was spricht – vom finanziellen Aufwand abgesehen – gegen unterirdische Parkhäuser entlang der großen Straßen Asuncións? Hier denke ich an die Eusebio Ayala (z.B. für den Mercado 4), die Fernando de la Mora und die España oder die Mcal. López. Der Innenstadtbereich Herrera bis Bogado und Montevideo bis EE. UU. könnte zu einer Fußgängerzone werden, was endlich etwas Ruhe ins Zentrum brächte. Weitere unterirdische Parkhäuser kämen dann an dessen Rand, damit man zumindest bis dorthin mit dem Wagen fahren kann.

Es geht mir übrigens keineswegs darum, dem eher deutschen Reglementierungswahn nachzueifern, sondern nur, Wildwuchs zu vermeiden, sodaß kontraproduktiver Aktionismus in zweckdienliche Infrastrukturentwicklung umgeleitet wird.

Sicherlich ist das ein Mammutprojekt, aber mit ganz erheblicher Attraktivitätssteigerung Paraguays als Industriestandort. Da amortisierten sich die Ausgaben schnell, da das Land eine ernstzunehmende Alternative für Buenos Aires oder São Paulo würde! Auch die Gewerbesteuern (oder etwas äquivalentes für Paraguay) könnten gesenkt werden und damit zusätzlichen Anreiz für den Zuzug neuer Betriebe bieten. Hierzu gibt es bereits etliche Beispiele aus jüngster Zeit, in Bayern z.B. Holzkirchen im Landkreis Miesbach, das mit dieser Strategie zur ersten Wahl für neue Konzernstandorte wurde. Die größten nun ansässigen Firmen sind Sandoz/Hexal, Transtechnik, Panasonic, Work und Avery.

Was fehlt, ist bislang der politische Wille. Leider versprechen Politiker immer nur, was sie nicht halten können oder wollen. Ich bin der Auffassung, man ist durchaus in der Lage, alle Widrigkeiten aus dem Weg zu räumen, um einen politisch gewollten Wandel des Landes durchzusetzen. Der größte Bremsschuh scheint mir die weitverbreitete Korruption zu sein, wie ich sie bereit erwähnte. Vielleicht ja würde die gnadenlose und sehr empfindliche Abstrafung korrupter Bediensteter helfen? Innerhalb kürzester Zeit würde allein dadurch schon eine Verbesserung des weltweiten Ansehens stattfinden, da man nicht mehr so sehr der Willkür der Bediensteten ausgesetzt wäre. Auch ginge damit die immer wieder grassierende Schutzgelderpressung durch Beamte auf das gesunde Nullmaß zurück. Selbstverständlich muß man seine Beamten gerade so gut bezahlen, daß sie nicht mehr auf solche unfeinen Methoden angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Ich kann nicht viel mehr unternehmen, als Vorschläge zu unterbreiten. Diese sind zwar durchdacht, aber scheitern immerzu an der hiesigen Mentalität. Deshalb bleibt mir nur, die Verbesserungen auf mein Einflußgebiet zu beschränken. Vor 50 Jahren war Paraguay noch ein reiner Agrarstaat, heute darf man vielleicht schon sagen, es befinde sich auf dem Weg zum Schwellenland. Wenn es aber in 50 Jahren nicht unter „ferner liefen“ erscheinen soll, muß es langsam aus seiner verträumten Pragmatik erwachen. Dazu gehört ein Paradigmenwechsel. Wann wird dieser kommen? Ich meine, innerhalb von etwa 30 Jahren kann man das Land zum Industriestaat nach heutigen Maßstäben machen. Das funktioniert aber nicht mit Halbherzigkeiten.

Seit etwa 2010 beginnen die Behörden in Paraguay, sich den Problemen zu stellen. Das geschieht nachvollziehbar allerdings sehr langsam. Einwanderungen sind seither z.B. prinzipiell erheblich einfacher geworden, da man nur noch einen fertigen Formularsatz, einige Bescheinigungen, Bilder usw. vorlegen muß und dann der Amtsschimmel zu wiehern hat. Genau daran aber scheitert es noch immer oft genug, denn die Angestellten der Einwanderungsbehörde wollen ihre Einnahmequelle Schmiergeld nicht aufgeben.

Gran Asunción wächst weiter, obwohl dessen Kapazitäten längst ausgeschöpft sind. Man sieht die Folgen auf der Straße, wo sich der Hausmüll türmt. Wer sich in Europa zur Berichterstattung über die Müllproblematik Neapels 2006 aufregte, sollte Gran Asunción meiden. Die Stadtbediensteten kommen einfach nicht hinterher.

Immerhin werden sporadisch Wasserhauptleitungen wie am 29.9.13.10.2014 in der Santos in Asunción ausgebessert und tlw. aufgerüstet. Auch die ANDE – Paraguays Stromgesellschaft – gibt nun endlich zu, was die Bürger seit Jahrzehnten wissen: Die Bürokratie in dieser staatlichen Firma lahmt und verhindert Kundennähe.

Das Bildungsministerium hat ebenfalls erkannt, Lehrer besser auszubilden, um den heutzutage unzureichenden Bildungsstand zu bessern. Sogar der Berufsausbildung will man sich nun annehmen. So werden nun Hilfselektriker ausgebildet.

Selbstverständlich sind das erste Ansätze, es besser zu machen. Die grundsätzliche Einstellung aber hat sich kaum geändert. Erst, wenn der erwähnte Paradigmenwechsel vollzogen wird, geht es massiv aufwärts mit Paraguay! Ein Personenfernverkehrsnetz mit SBahnen wäre ein deutliches Zeichen für die Welt, daß Paraguays Regierung lernt, in die richtigen Projekte zu investieren. Itaipú und Yacyretá waren fraglos Schlüsselprojekte. Warum aber gibt es seitdem keinen nennenswerten weiteren Fortschritt?

Neben dem Bahnnetz sähe ich sehr gerne ein glasfasergestütztes Datennetz bis in jedes Dorf mit 5000 Einwohnern aufwärts und 100MBaud in jeder Richtung. Machbar und bezahlbar sind solche Projekte. Experten kann man besorgen für die Planung und die Durchführung. Ein besserer Datennetzanschluß ließe Paraguay als Firmensitz für einwandernde Firmen attraktiv werden.

Techauka in Caacupé.Morgen, am 25.10.2014, wird eine Art Bildungsmesse in Caacupé vorgestellt, die Techauka. Ziel ist es, Bildung im allgemeinen und den Fortschritt im Bildungssystem selbst voranzutreiben. Dabei präsentieren 50 Organisationen, Firmen und Gruppierungen ihre Ideen. Offenbar, um Familien und Jugendliche, ja selbst Kinder nicht abzuschrecken, wird es Rätsel, Gewinnspiele, Unterhaltungseinlagen und sogar Musik geben. Übertreiben sollten die Veranstalter aber damit nicht, denn wenn die Bildungsmesse zum Jahrmarkt verkommt, ist der Zweck verfehlt. Man darf gespannt sein, welchen Erfolg diese Aktion haben wird.

Bei gutem Anklang wird solcherlei Bildungsmesse sicherlich auch schnell seine Verbreitung in andere Städte finden – immerhin bietet sie vielen Firmen mittels eines Ausstellungsplatzes die Möglichkeit, ihre Produkte oder Dienstleistungen anzupreisen. Mit der Zeit erkennen dann die Eltern und sogar die Schüler, wie wichtig frischer Wind in der Bildungspolitik ist.

Nicht, daß der Eindruck aufkommt, ich wolle das deutsche Schulsystem über den grünen Klee loben: In Deutschlands Bildungssystem steht es mit vielem im argen! Wenn sich also jeder an die eigene Nase faßt, ist allen geholfen. Ich befürworte eine Bildungsmesse absolut!


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