Falsche Begriffe

Die Batterie

Der Motor springt nicht an, der Anlasser würgt. Ist die Batterie leer?

Autsch! Der Begriff Batterie hat zwei Bedeutungen: erstens Primärzelle, zweitens Ansammlung zusammengeschalteter gleichartiger Dinge. Jeder Modellbauer, Elektriker, Elektroniker weiß, daß der Versuch, Batterien zu laden, früher oder später zum Defekt führt, meistens zum Brand der Batterie.

Der Begriff Autobatterie wurde im Sinn der ersten Bedeutung gebildet, obwohl sie wiederaufladbar ist. Die zweite Bedeutung paßt, da (beim PKW sechs) gleichartige Sekundärzellen (also Akkus) in Reihe geschaltet sind, um auf die Sollspannung zu kommen. Nun soll der Begriff aber den Artikel treffend bezeichnen.

So könnte man auch einen 500gPacken Vollkornbrotscheiben als Batterie in zweiter Bedeutung bezeichnen! Was bleibt, ist, unserem Energiespeicher einen technisch zutreffenden Namen zu geben: Autoakku. Damit haben wir eine unrichtige Bezeichnung korrigiert, entgingen einer sprachlichen Unwägbarkeit und zeichnen uns als Technik und Sprachkenner aus.

Der Schraubenzieher

Der Schraubenzieher ist ein Nageleisen (Brecheisen, Gustl), denn mit ihm kann man auch Schrauben ziehen. Wer das Werkzeug meint, mit dem Schrauben gedreht werden, sollte den richtigen Begriff Schraubendreher verwenden.

Der Fernsehkanal

Kanal und Programm[platz] werden auch heute noch immer wieder durcheinandergeworfen. Zu Zeiten der analogen terrestrischen Fernsehübertragung war ein Fernsehsender auf wenigstens einem Kanal zu empfangen, z.B. K29 und K55, aus verschiedenen Richtungen. Der Fernsehtechniker hat bei der Installation der Antennenanlage den (abhängig von der Anzahl der benötigten Antennen) besten Kanal ins Hausnetz eingespeist und die Empfangsgeräte entsprechend programmiert. Der schwächere oder gestörte Kanal konnte meist trotzdem am Fernseher betrachtet werden, man mußte aber den Kanal (bei PhilipsGeräten meist direkt die Frequenz) eingeben oder den Suchlauf starten.

Nun, in Zeiten der digitalen Fernsehübertragung, hat man es geschafft, mehrere Sender auf einen Kanal zu bringen. Es werden also die Begriffe Fernsehsender und Programm synonym verwendet und (meist letzterer) mit Kanal verwechselt. Die Begriffe sind aber strikt zu trennen! Nachfolgend in der Tabelle finden Sie eine kurze Übersicht der Begriffe:

BegriffErklärung
Fernsehsender
  1. Fernsehanstalt, z.B. ZDF, RTL
  2. Sendeantenne, von dem mehrere Fernsehprogramme abgestrahlt werden können
Fernsehprogramm
  1. Darbietung einer Fernsehanstalt
  2. Programmplatz einer Sendeanstalt im Empfangsgerät (Fernseher, Videorekorder usw.)
ProgrammplatzSpeicherplatz einer Sendeanstalt im Empfangsgerät (Fernseher, Videorekorder usw.)
KanalFrequenzbereich für die Datenübertragung; analog: 1 Programm; DVBT: 16 Programme

Im analogen Betrieb läßt sich dasselbe Programm auf mehreren Kanälen und unterschiedlichen Richtungen gleichzeitig empfangen. Dies ist im digitalen Betrieb zwar technisch möglich, aber durch andere Flächendeckung meist unsinnig. Im digitalen Netz liegen normalerweise mehrere (34) Programme auf einem Kanal. Fernsehkanal wird meist verkehrt benutzt, da er nur einen Frequenzbereich bezeichnet, nicht einen Fernsehsender, ein Fernsehprogramm oder gar einen Programmplatz! Der Fehler wird trotzdem oft begangen, da der englische Begriff channel, zu Deutsch Kanal, die Bedeutung von Kanal und Programmplatz hat.

AM und FM

UKW, KW, MW und LW werden – bedingt durch den invasiven Einzug des Englischen in unsere Sprache – mit FM und AM verwechselt. UKW ist die Ultrakurzwelle, auch Band II genannt, und als Frequenzbereich von 87,5108MHz bekannt. Tatsächlich ist der Frequenzbereich größer, aber Otto Normali kennt es nicht anders. Was zum Henker hat also eine Frequenzangabe mit der Modulationsart wie Frequenzmodulation zu tun?

Man kann UKW mit AM, der Amplitudenmodulation, betreiben! Auch mit PCM, PWM, PM, QPSK oder QAM u. dgl. geht das. Funker wissen, daß man das Kurzwellenband mit Sendern füllen kann, die Ein und Zweiseitenbandmodulationen verwenden (beides verschiedene AM). Selbst eine S/WBildübertragung mit Quadraturmodulation auf Mittelwelle ist möglich, wenn auch reichlich exotisch. Wir sehen: Die Frequenzangabe hat nichts mit der verwendeten Modulationsart zu tun!

Der Zement

Wände bestehen (im ganzen) aus Holz, aus Mauerwerk oder aus … Zement? Nein! Warum so mancher Zement sagt, wo Beton zu nennen ist, weiß ich nicht. Beton besteht zu einem gewissen Teil aus Zement, aber eine Mauer nur daraus wäre sehr teuer und sehr wenig belastbar. Das verwundert?

Zement produziert beim Abbinden Wärme. Im Fall einer massiven Mauer soviel davon, daß bei der extremen Verdunstung des Wassers dieses nicht mehr für die chemische Reaktion zur Verfügung steht, was Risse zur Folge hat. Zement bildet beim Abbindevorgang (der sich über Monate hinzieht) nadelförmige Strukturen, die sich verzahnen. Beton kann deshalb großer Druckbelastung ausgesetzt werden. So sind Belastungen von 30N/mm² selbst für Allerweltsqualität kein Problem. Zugbelastungen aber muß zusätzlich eingelegter Betonstahl abfangen, da der Beton selbst nur wenig Zug aushält (normalerweise bis 4N/mm²).

Adjektive mit „fähig“

Bitte richten Sie Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen unter Angabe … Stellenanzeige von Steinbach & Partner. Hä? Seit wann sind Unterlagen aussagefähig? Aussagekräftig können sie sein, denn dann enthalten sie wichtige Daten. Aussagefähig bedeutet, daß die Unterlagen aus eigener Kraft in der Lage sind, eine Aussage zu tätigen, also zu sprechen beginnen können. Das ist Humbug!

Nieder mit den Sprachverhunzern! Die haben kein Sprachgefühl und muten anderen ihr Kauderdeutsch zu. Schlimmer noch, solche ungenauen und falschen Ausdrucksweisen reißen ein. Die nachfolgende Generation spricht dann noch schlechteres Deutsch!

Je, desto

Je mehr er hebt, je …

Auch mit desto und umso auf beiden Seiten des Kommas hört man das. Urteil? Schenken wir uns das. Richtig heißt es:

Je …, desto …
Je …, umso …

Der Nazi

Gefallen wir Deutschen uns wirklich so sehr im Büßergewand, daß wir den Unterschied zwischen Nationalsozialist und Nationalzionist nicht für wichtig genug erachten? Wo immer man etwas über das dritte Reich liest, wird im selben Atemzug „Nazi“ genannt. Das Wort „Nazi“ ist aber nur die Kurzform von Nationalzionist – und mit denen hatte Deutschland in den letzten 1000 Jahren nichts zu tun. Will man den Begriff Nationalsozialist abkürzen, muß man „Naso“ benutzen! Gerade einmal zwölf Jahre Herrschaft unter Nasos haben uns also zu Büßern im eigenen Haus gemacht, sodaß wir selbst uns ein X für ein U vormachen.

Das KZ

Was damit ausgedrückt werden soll, muß mir erstmal jemand schlüssig erklären! Was soll das sein? Wollte man das Konzentrationslager derart unschön abkürzen, müßte man ja wohl „KL“ dazu sagen!

Arbeitgeber und nehmer

Wer ist wer? „Ist doch klar,“ werden Sie sagen: „der Arbeitgeber ist der Betrieb und der Arbeitnehmer der Angestellte.“ Weit gefehlt! Es ist genau umgekehrt! Überlegen wir einmal: Beim Wort Arbeit in „Arbeitgeber“ handelt es sich um die Arbeit selbst, also die Arbeitsleistung. Wer die gibt, ist der Arbeitgeber: es ist der Angestellte oder Arbeiter. Wer die Arbeitsleistung nun empfängt oder nimmt, ist der Arbeitnehmer: der Betrieb.

Der Grund, warum die Begriffe so weitverbreitet vertauscht werden, liegt in einer Strategie der Betriebe begründet, der Angestellte müsse sich als dankbar erweisen, wenn er etwas bekomme. Durch diese Sprachvergewaltigung wird der Angestellte (er hat diese Zuordnung längst verinnerlicht und hinterfragt sie nicht mehr) so manipuliert, daß er für den Betrieb umso leichter gelenkt werden kann. Welcher Mitarbeiter wird sich denn in einer Konfliktsituation schon als undankbar erweisen, da ihm doch an dieser Stelle gern unauffällig mitgeteilt werde, er sei Arbeitnehmer?

Der Betrieb, der sich mit geber nennen will, muß Arbeitsplatzgeber sagen! Selbst nutze ich diesen Begriff nicht; beinhaltet er doch wieder den „Geber“, als ob es eine Gnade sei, für ihn arbeiten zu dürfen.

Kometenhaft

Der sprichwörtliche kometenhafte Aufstieg eines Schauspielers, eines Politikers oder vielleicht einer anderen Person ist merkwürdig. Noch nie habe ich nämlich einen Kometen aufsteigen, sondern bestenfalls herabfallen sehen. Darf man annehmen, der Nutzer eines solchen geflügelten Wortes wünsche den Fall der bedachten Person?

Seltsamerweise ist bei den gängigen Wörterbüchern wie dem Duden, Woxikon oder Wiktionary nichts über den inhaltlichen Unsinn dieses Wortes zu finden. Ob die Verfasser überhaupt schon an die Möglichkeit dachten, daß dies eine Informationslücke darstellt?


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Ihr Kommentar

Es gibt insgesamt 3 Kommentare zu dieser Seite

  1. Dieter schreibt am 19.08.2012 um 11:28 Uhr:
    als häufig gehörter Begriff in aktuellen Action‐ und Krimi‐Filmen ist „GPS‐Sender“ in Autos zum Bestimmen der Position zu hören. in der Realität sind die GPS‐Sender in den Satelliten in der Erdumlaufbahn enthalten!
  2. Hans Müller schreibt am 04.08.2012 um 03:02 Uhr:
    Es existiert ein „Doppel‐Je“, allerdings sollte es nicht in einem Satz verwendet werden. Einfach ausgedrückt: Bei vier Worten können zwei „je“ gesetzt werden. Ein Beispiel: Je älter je besser Nachgeschlagen in der 17. und 20. Ausgabe des Dudens, muß ich Ihnen leider Recht geben. Trotzdem bleibt es bestenfalls umgangssprachliches Niveau und hat mit stilsicherem Deutsch nichts zu tun, weshalb ich diese Formulierung auch nicht in den Text aufnehme.
  3. Hans Müller schreibt am 04.08.2012 um 02:31 Uhr:
    Der Schraubendreher wird Schraubenzieher genannt, wenn er nur zum „anziehen“ von Schrauben genutzt wird. Die Abkürzung „KL“ war die offizielle, während „KZ“ wegen des härteren Klanges bevorzugt wurde. „Jetzt geht’s ins KZ!“, klingt viel aggresiver als: „Jetzt geht’s ins KL!“ Ob der Schraubenzieher oder das Anziehen der Schrauben zuerst da war, klingt für mich wie das Problem von Henne und Ei. Falsche Begriffe bleiben sie so und so. Was „KZ“ bedeutet, ist mit Ihrer Mutmaßung noch lange nicht geklärt. Concentration camp habe ich auch schon als Erklärungsversuch gehört, was aber ziemlich dämlich ist. Auch scheint es Volkssport in Teutonien geworden zu sein, die eigene Vergangenheit zu verdammen und schlechtzureden. Rückgrat zu zeigen dagegen stirbt bei unserer Mentalität wohl aus. Vorschläge oder Fakten zum „KZ“?

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